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Welche Stiefel eignen sich für welchen Zweck bei einem Lappland-Besuch?
Lundhagsstiefel, Gummistiefel, Bergstiefel, Hochtourenstiefel? 
Hier erfahren Sie mehr!! 
 
Jeder Lapplandreisende steht vor Reisebeginn vor der schwierigen Frage, welches Schuhwerk für eine Wanderung in Tundra und Taiga wohl angebracht ist.
Ich möchte hier gleich zu Anfang klar feststellen: Es gibt für Wanderungen im schwedischen / norwegischen Fjäll KEINE Ideallösung! Für welchen Schuh man sich auch entscheidet, es werden bei einer umfangreichen Wanderung mit Mooren, Tundra, Geröllhalden, steinigen Pfaden und Flussauen immer Situationen auftreten, in denen sich das eine oder andere Konzept im Einzelfall als besser erweist. Die Gegebenheiten bei Wildnistouren sind also so vielfältig, dass man in jedem Fall einen Kompromiss eingehen muss, da kein Stiefel ALLEN Anforderungen gerecht werden kann! Nicht zuletzt entscheidet das Wetter bei einer Wanderung ob derjenige Wanderer mit Treckingstiefeln die bessere Wahl getroffen hat oder ein anderer mit Gummistiefeln.
Nun stehen von den Herstellern unterschiedliche Konzepte zur Verfügung und jeder Wanderer sollte vor einer Tour versuchen, möglichst genau abzuschätzen, welche Anforderungen bei seiner Wandertour überwiegen oder im Vordergrund stehen.

Grundsätzlich sollte sich die Auswahl eines Wanderstiefels auf folgende Kriterien stützen:

      -         Wasserdichtigkeit
-        
Festigung der Bänder im Knöchelbereich
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schützende Wirkung der Sohle gegen Durchdrücken von Steinen
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qualitativ hochwertige Verarbeitung der Nähte
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Gewicht
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Griffigkeit der Sohle, Dauerhaftigkeit der Sohle

 Sind die hauptsächlichen Anforderungen bei einer geplanten Wanderung eingegrenzt, so lassen sich auch die obigen Kriterien um ein, zwei oder drei Punkte reduzieren und die Auswahl  des Stiefels kann nach den im Vordergrund stehenden Kriterien eingegrenzt werden.

Beispiel 1: Bei einer Wanderung im finnischen Waldland sind grosse Moorflächen und nasse Bruchwälder zu erwarten. Hier steht die Wasserdichtigkeit des Schuhwerkes im Vordergrund und eine starke Beanspruchung der Achillessehne und Bänder im Knöchelbereich ist nicht zu erwarten. Ebenso muss die Sohle nicht so hochwertig und griffig sein wie bei einer Gebirgswanderung.

Beispiel 2: Bei einer Fjällwanderung mit häufigem oder längerem Begehen von Blockhalden steht den Füssen eine harte Belastung bevor: Beim dauernden Auftreten auf spitzen Steinen oder schmalen Kanten, muss der Fuss den Körperschwerpunkt bei jedem Tritt ausbalancieren und halten, was hohe und schmerzhafte Belastungen der Bänder mit sich bringt. Hier steht das Kriterium der festigenden Funktion des Stiefels an erster Stelle.

Welche Stiefel stehen nun für Wildniswanderungen zur Auswahl? 
1. Wandergummistiefel

2. Moderne Treckingstiefel mit geklebter Sohle

3. Klassische Bergstiefel mit zwiegenähter Sohle 

4. Schwedische Lundhagsstiefel mit wasserdichtem Fussteil 
 

1. Wandergummistiefel werden von vielen Mitteleuropäern verachtet, da sie im Knöchelbereich kaum Halt bieten, leicht kaputt gehen und entsetzliche Schweissfüsse nach sichziehen. Dennoch wandern viele Schweden auch im Fjäll mit Gummistiefeln. Warum sie dies tun kann man ein bischen besser nachvollziehen, wenn man einmal drei oder vier Tage bei kaltem Regenwetter mit nassen Füssen in der Tundra gelaufen ist und die aufgeweichten Füsse immer neue Blasen kriegen und die nassen Stiefel bei 100% relativer Luftfeuchte einfach nicht mehr trocknen. Gummistiefel bieten einfach einen nicht zu unterschätzenden moralischen Puffer, wenn anhaltendes Regenwetter an den Nerven zerrt. Wer mit Gummistiefeln wandert sollte nur hochwertige Stiefel aus Naturkautschuk mit Fussschützender Stahleinlage verwenden und muss in jedem Fall vorsichtiger laufen und sollte gut trainierte Bänder und Muskeln haben!!
 
2. Moderne Treckingstiefel
Aktuelle Treckingstiefel sind leichter und bequemer als die klassischen Bergstiefel, diese Neuerungen haben aber auch ihren Preis: Das Leder ist dünner und damit weniger dicht und weniger widerstandsfähig beim Laufen in Fels und Geröll. Die Stabilisierung des Knöchels ist gut, aber nicht so umfassend wie beim schweren Bergstiefel. Wichtigster Unterschied zum früheren Bergstiefel: Das Oberleder wird nicht auf die Zwischensohle genäht sondern aufgeklebt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Im Laufe der Jahre wird die Klebeverbindung geschwächt und irgendwann löst sich die Sohle an einem Punkt und Wasser dringt in den Schuh, bei billigen Schuhen frühzeitig, bei hochwertigen Schuhen spät. Das Leder wird unten umlaufend von einem Gummiband abgedichtet. Bei billigen Schuhen löst sich dieses ebenso frühzeitig oder wird rissig, das Wasser dringt dann unten leichter ins Leder.
Wer bei einer Tour im schwedischen Fjäll mit Treckingschuhen laufen möchte, sollte folgendes beachten:
- Keine Schuhe mit unnötigen Ziernähten kaufen, hier dringt das Wasser leichter ein!
- Möglichst Schuhe kaufen, deren Oberleder aus einem oder wenigen Stücken Leder hergestellt ist.
- Keine Schuhe aus dünnem Spaltleder oder Wildleder kaufen, diese lassen sich mit Wachs schlechter gegen Wasser dichten. Möglichst Stiefel aus vollnarbigem Leder kaufen, diese halten, mit Wachsöl/Schuhwachs bearbeitet, das Wasser immerhin eine zeitlang draussen.
- Keine Schuhe kaufen, deren Sohle aus mehreren Stücken zusammengestellt ist. Dies ist  eine Sollbruchstelle und bei älteren Stiefeln löst sich irgendwann ein Teil der Sohle!
- Am besten Schuhe mit "Vibramsohle" mit starkem Profil kaufen. 
- auch Stiefel mit modernen Membranen sind im Dauereinsatz wegen  Druckeinwirkung und Kapillarwirkung nicht dauerhaft dicht.
 
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Moderner, leichter Treckingstiefel mit umlaufendem Gummirand
 
3. Klassische Bergstiefel 
Klassische Bergstiefel bieten bei Wanderungen im Fjäll sehr guten mechanischen Schutz für die Füsse und ermöglichen in felsigem Gelände und auf Blockhalden eine hohe Trittsicherheit. Die Wasserdichtigkeit des meist starken Rindsleders ist höher als bei Treckingschuhen.
Nachteile: Bergstiefel sind schwerer, was sich bei langen Tagesetappen in früherer Ermüdung äussert. Das starke Leder ist ausserdem härter, so dass man bei nicht optimal eingelaufenen Schuhen leicht Blasen bekommt. Wegen der harten Sohle läuft man in Bergstiefeln grundsätzlich ein bischen wie in Skistiefeln. Der hintere Rand des Knöchelwulstes erzeugt dabei leicht Reizungen der Achillessehne, da der Stiefel sich beim Abrollen nur wenig verformt und der Rand dann gegen das Bein drückt.
 
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klassischer, 30 Jahre alter zwiegenähter Wanderstiefel von Meindl, Oberleder aus einem Stück
 
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So schön versenkte Tiefzughaken findet man heute kaum noch 
 
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Klassischer, schwerer, trigenähter, steigeisenfester Hochtourenstiefel von Lowa, aus einem Stück vollnarbigem Rindsleder, Schaft extrahoch
 
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Schuhmacherkunst: trigenäht 
 
4. Wildnisstiefel der Firma Lundhags
Die Firma Lundhags stellt seit einigen Jahrzehnten Stiefel her, die eine Kombination aus Gummistiefel und Lederstiefel darstellen. Die Stiefel haben einen wadenhohen Lederschaft, dessen Zunge bis obenhin abgenäht ist, so dass man kleinere Bäche durchwaten kann ohne dass Wasser eindringt. Der lederne Fussteil des Stiefel ist komplett mit Gummi überzogen, so dass man dauerhaft in Mooren oder nasser Tundra laufen kann ohne dass Wasser in den Schuh eindringt. Die Vibramsohle ist auf den Fussteil aufgeklebt. 
Die Klebung der Sohle hält im Gegensatz zu Treckingstiefeln mehr als 10 Jahre (dort wird Leder auf Gummi geklebt, was grundsätzlich schwierig ist).
Die Verarbeitung der Lundhagsstiefel ist erstklassig und das hochwertige Schaftleder wird auch nach 15 Jahren bei guter Pflege nicht brüchig!
Nachteil der Stiefel: Die Lundhagsstiefel haben keinen gepolsterten Innenschuh wie er bei Trecking- und Bergstiefeln üblich ist, so dass  der Knöchel weniger Halt hat. Damit besteht beim Laufen am Hang eine grössere Gefahr umzuknicken. Wer mit Lundhagsstiefeln läuft braucht ebenso wie der Gummistiefelwanderer gut trainierte Fussmuskulatur und Bänder um querfeldein sicher zu laufen.
Achtung: Wegen der etwas eckigen Form und des fehlenden Innenschuhes passen Lundhagsstiefel nicht an jeden Fuss. Man sollte daher ausgiebig probelaufen und am besten die Stiefel so gross kaufen, dass man zwei Paar Wandersocken anziehen kann. Dann ist der Fuss gut gepolstert und man kriegt keine Blasen. Ich selbst laufe seit 16 Jahren nur noch mit Lundhagsstiefeln, da für mich der Aspekt der Wasserdichtigkeit ausschlaggebend ist und da ich es gewohnt bin querfeldein vorsichtig zu laufen.
Der hohe Preis der Lundhagsstiefel rechtfertigt sich durch die sehr gute Verarbeitung und die Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren. 
 
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Schwedischer Wildnisstiefel von Lundhags, Fussteil komplett gummiüberzogen